100 Tage Mittelmeer

Rund 1800 Seemeilen auf dem Salzwasser durch fünf Länder: Auf diese Auszeit zwischen April und Juli 2013 haben wir über zwei Jahre hingearbeitet.


Beim Start im noch winterlichen Izola (Slowenien) mit Morgentemperaturen um 0 Grad waren wir nicht sicher, ob das Projekt eine gute Idee war. Nach etwas über 300 Seemeilen Slowenien und Kroatien waren wir schon absolut begeistert. Die istrische Küste mit venezianisch geprägten Städtchen war im Frühlingserwachen ein Traum. Wir waren weit und breit die einzigen Segler. Dann sind wir in die Inselwelt des Kvarner und der Kornaten eingetaucht und konnten den Frühling mit herrlichster Vegetation und angenehmen Temperaturen geniessen. Die Telascica-Bucht und der Kornati Nationalpark ohne jeglichen Trubel waren echte Highlights. In Dalmatien kamen wir nach der Einsamkeit wieder zurück in die Zivilisation. Von den hübschen Städten Trogir und Split ging es mit frischem Proviant auf die Inseln Brac, Hvar und Korcula. Letzter Außenposten in Kroatien war Lastovo. Von dort machten wir uns nach einem abenteuerlichen Ausklariermanöver auf in Richtung bella Italia - mit rund 70 Seemeilen unsere erste Adriaüberquerung.


Vom apulischen Vieste aus haben wir zwei Wochen lang die Dolce Vita genossen, sind in großen Schlägen über Trani, Bisceglie, Monopoli nach Brindisi gesegelt. In Brindisi saßen wir sage und schreibe eine Woche fest, erst wegen einem Nordsturm (> 55 Knoten), direkt gefolgt von einem Südsturm. Noch einen Schlag in Italien nach Otranto, dann ging es "zurück" über die Adria nach Korfu. Mit schönstem Wetter und kräftigen 7 Beaufort raumem Wind war die Überfahrt schneller bewältigt als gedacht. Nach einem höchst bürokratischen Eincheck-Procedere in Griechenland begeistern uns die Buchten und netten Häfen im ionischen Meer, insbesondere auf der Inseln Paxi, Levkada und Kefallonia.

Dann sind wir in den Golf von Patras abgebogen: Seglerisch ziemlich unerschlossen und auch sonst recht ruhig - sieht man von dem Touristenmagnet Delphi ab. Rundherum haben wir wirklich ursprüngliches Griechenland kennengelernt, einsame Buchten, kleine Häfen und sehr freundliche Menschen. Beeindruckend war die Fahrt durch den Kanal von Korinth, bei ordentlich Gegenwind und der Ansage des Personals sich zu beeilen, ist unser 30-PS-Volvo ganz schön am Glühen gewesen. Highlights im folgenden Saronischen Golf waren Epidauros mit seinem riesigen antiken Theater und Spetses mit dem Classic Yacht Race. Vorm Bug lagen dann die Kykladen und der Meltemi, der dortige manchmal stürmische Nordwind. Er hat uns flotte Schläge und auch den einen oder anderen ungeplanten Pausetag beschert. Dann konnten wir hübsche Örtchen mit den netten weiß-blauen Würfel-Häusern und Kirchen anschauen und herrliche Felsküsten geniessen. Um dem Touristenstrom zu entkommen haben wir uns - mit Ausnahme von Santorini - die weniger frequentierten Inseln angeschaut. Den Besuch von Serifos, Milos, Folegandros oder Schinousa können wir wärmstens empfehlen, um die Seele baumeln zu lassen oder mit dem Boot von Insel zu Insel zu sausen. Über Amorgos, Levitha und Leros ging es nach Samos, wo wir aus Griechenland ausklariert haben. Die letzten Tage unseres Törns haben wir nördlich von Kusadasi verbracht, in einsamen Buchten mit schönster Landschaft - und das Ende Juli. Wohin sich die Touristenströme ergießen, haben wir zum Abschluß in Ephesos erlebt.